Dienstag, 26. Januar 2016

Interview : Ghosthunter Germany




Im Rahmen einer Recherche bezüglich Geister und Paranormale Phänomene habe ich die Gelegenheit dazu genutzt die Experten direkt zu befragen :-)


Hier nun das Interview, dass ich mit Timo vom Ghosthunter Team Germany führen durfte!






Kendra:
Zuerst einmal würde mich (und sicherlich auch meine Leser) interessieren, wie man denn eigentlich darauf kommt ein Ghosthunter zu werden? Gab es da für dich einen ganz speziellen Auslöser, wenn ich fragen darf? Oder war einfach nur großes Interesse für das Übersinnliche vorhanden?

Bei mir persönlich war es ein Erlebnis aus der Kindheit. Ich war damals elf oder zwölf Jahre alt. Nach einem nächtlichen Toilettengang stand plötzlich ein schwarzer Schatten in meinem Zimmer. Er bewegte sich, aus einer sonst leeren Ecke, an das Fußende meines Bettes und flog blitzschnell über mich hinweg. Der Schreck war groß, doch meine Neugierde größer. Seither war das Paranormale Thema für mich. Ich habe versucht herauszufinden was damals genau geschehen war. Ich verschlang alles was es in Buchhandlungen darüber zu finden war. Dann kam das Internet hinzu. Ja, das war damals noch ganz neu. Ich war im Internet unterwegs und begann in einem Chat mit anderen Menschen darüber zu reden die ähnliche Erlebnisse hatten. Wir kamen auf die Idee eine Webseite zu erstellen die Berichte usw. zu der Arten Ereignissen sammelt. So wurde 2005 www.geisternet.com gegründet. In diese Webseite war ein Forum integriert in dem man sich Anmelden konnte und berichten und diskutieren konnte. Schnell meldeten sich auch Menschen die ganz aktuell Probleme hatten die sie als Spuk interpretierten. Wir versuchten also herauszufinden, schriftlich, durch Telefongespräche oder vor Ort, was die Gründe für diese Probleme sind. In den meisten Fällen gab es dazu ganz natürliche Erklärungen. Wir stellten fest: Es ist nicht alles Geist was spukt. Es ist sogar unwahrscheinlich dass es Geister gibt. Über vier Jahre hinweg sammelte sich so ein gewisses Verständnis zur Thematik ein und es sammelte sich Material. Damit dieses produktiv genutzt wird und da es in Deutschland keine wirkliche Anlaufstelle gab für Menschen mit solchen Problemen, gründeten wir 2009 Ghosthunter Germany.

Kendra:
Hast du denn selbst manchmal Zweifel daran ,was das Thema Geister angeht? Oder bist du dir wirklich sicher, dass sie existieren?

Ich bin mir sicher ich bin einer der größten Kritiker der Thematik. Ich persönlich glaube nämlich überhaupt nicht an Geister. Ich sehe das als Ghosthunter allerdings als großen Vorteil. Man stellt sich permanent die Frage was es denn sonst sein könnte und sucht nach natürlichen Ursachen. Und damit fährt man in dieser Thematik am besten. Für Geister gibt es bis Dato nicht einen einzigen wissenschaftlich anerkannten Beweis. Stellt man sich das Ganze wie eine Waage vor liegt auf der einen Seite das Pro für Geister und auf der Anderen tausende Möglichkeiten die dagegen sprechen. Wissenschaftlich bedeutet das noch keine Unmöglichkeit aber eine sehr hohe Unwahrscheinlichkeit. Dennoch gibt es auch immer wieder Fälle die sich nicht erklären lassen wollen. Sie bleiben vorerst Paranormal und Paranormal bedeutet nichts anderes als mit dem momentanen Wissenstand nicht zu erklären.

Kendra:
Kannst du uns kurz beschreiben, wie dein Arbeitsalltag aussieht wenn du zu einem Fall gerufen wirst? Gibt es da gewisse Vorbereitungen oder geht ihr direkt in die Höhle des Löwen? 


Zuallererst ist es kein Arbeitsalltag weil es kein Beruf sondern eine Berufung ist. Es gibt den Beruf Ghosthunter nicht. Jeder der etwas Anderes erzählt hat sicher eher finanzielle Interessen an Betroffenen als Hilfe für diese zu bieten. Einem direkten Besuch vor Ort, der oft überhaupt nicht von Nöten ist, gehen schriftlicher Verkehr und direkte Gespräche mit den Betroffenen voraus. Darin sind wir mittlerweile so effektiv das wir meist überhaupt nicht mehr vor Ort müssen. Es geht hier meist darum den Betroffenen zu helfen sich selbst zu helfen. Alles was ein Ghosthunter macht, kann der Betroffene eigentlich auch selbst. Die langjährige Erfahrung dahinter können wir bieten. Wir sind keine Zauberer die irgendetwas tun was nicht jeder mit etwas gesundem Menschenverstand selbst tun könnte. Deshalb ist unsere Hilfe auch immer vollkommen kostenfrei für jeden der unsere Hilfe benötigt. Man sollte als Betroffener sogar vorsichtig sein wenn jemand Geld dafür verlangt. Man geht hier schnell Scharlatanen auf den Leim. Im Falle des Falles gehen wir direkt in die Höhle des Löwen. Wir suchen nach natürlichen Ursachen. Insofern gibt es keinen Grund dies nicht zu tun.

Kendra:
Wie sieht Euer Arbeitsmaterial aus. Benutzt ihr EMF Meter für Messungen? Sind auch andere Dinge vorhanden, evtl auch geweihte Objekte? Silbermesser, Salz, etc. :-)


Geweihte Objekte, Silbermesser und Salz mögen in Hollywood sehr gut funktionieren, gehören aber in der Realität nicht zum Arbeitsmaterial. Der Glaube an solche Zauberutensilien gehört wohl eher in die Welt der Mythen und Märchen. Unser Equipment besteht aus allerlei technischen Gerätschaften wie EMF-Meter, Kameras, Fotoapparaten, Temperatur- und Luftfeuchtemessgeräten, Diktiergeräten usw. usw. Die Liste aller Gerätschaften ist schier unendlich. Sie dienen allerdings nicht dazu Geister zu suchen, sondern Möglichkeiten natürlicher Ursachen zu untermauern. Zum Beispiel ist der EMF-Meter ja kein Gerät das Geister misst. Nein, er misst lediglich elektromagnetische Felder. Sonst nichts, denn dazu wurde er gebaut. Es gibt die Theorie das Menschen auf elektromagnetische Wellen derart reagieren das es bei ihnen sogar zu Halluzinationen kommt. Dies ist ein Grund diesen mitzuführen. Das würde die ein oder Andere vermeintliche Erscheinung erklären. So verhält es sich auch mit anderen Gerätschaften. Wenn jemand auf dem Dachboden nachts zum Beispiel Schritte hört überprüfen wir über diesen Zeitraum Temperatur und Luftfeuchte und filmen mit. Sollte es kein Getier sein das sich dort eingeschlichen hat ist es wahrscheinlich das, in solchen meist ungeheizten Räumen, eher das Holz durch nächtlichen Temperatursturz arbeitet und knackt, als das ein Geist dort umherwandert.

Kendra:
Wie geht Euer Umfeld damit um , dass ihr privat diesen Job erledigt? Wie sind die Reaktionen von ihnen? Belustigung , Ehrfurcht, sonstiges?

Durch die Bank unterschiedlich. Interessant ist allerdings das man oft zuerst belächelt wird weil die meisten denken man wäre ein Ghostbuster mit Protonpäckchen auf dem Buckel und würde eingebildete Slimer jagen. Wenn man allerdings offeriert was man wirklich macht, zeigt fast jeder großes Interesse und hat plötzlich auch unheimliche Dinge zu berichten die er schon mal erlebt hat. Man muss damit leben das anhand der Bezeichnung Ghosthunter nicht erfassbar ist was diese Thematik wirklich alles beinhaltet. Insofern darf man nicht nachtragend sein wenn jemand seinen Denkvorgang abkürzt und zuerst lächelt. Es ist ja nicht offensichtlich, dass dies mehr in den Bereich der Physik und Psychologie fällt.

Kendra:
Kannst du uns kurz deinen gruseligsten Fall beschreiben? Bzw uns am Rande davon berichten, damit wir einen Einblick davon erhalten, wieviel Schrecken dort draußen eigentlich lauert (für den meisten von uns jedoch im Verborgenen)

So etwas wie den gruseligsten Fall gibt es im Grunde nicht. Was es immer wieder gibt sind Ereignisse die man sich nicht erklären kann und die für kurze Schrecken sorgen. So hatten wir zB. In einer Burg einen Schlag auf eine Kamera aus dem Nichts. Dieser kam mit einer solchen Wucht das dazu bis heute jegliche natürliche Erklärung nicht greift. Auch haben wir immer wieder Stimmen auf Diktiergeräten die unmittelbar auf eine in den Raum gestellte Frage antworten. So klar und deutlich das es fast unmöglich scheint das hier ein von uns erzeugtes Geräusch fehlinterpretiert wird. Dennoch möchte ich nochmals betonen das es unwahrscheinlich ist das Geister existieren und sie da draußen auf die lebenden lauern. Das ist mehr so ein Gedanke aus Filmen.

Kendra:
Sicherlich gibt es auch einige lustige Fälle, die sich letztendlich als völliger Humbug herausstellen, magst du uns hierzu vllt eine Anekdote liefern? :-)

Nun, eine natürliche Ursache zu finden ist im Grunde kein Humbug. Es ist erleichternd für Betroffene wenn wir eine natürliche Ursache finden. Wenn wir zB. herausfinden das die nächtlichen Schritte im Haus eigentlich der zur Nachtschicht gehende Nachbar sind, ist das erleichternd, nicht lustig. Man sollte allerdings schon eine gewisse Portion Humor mitbringen. Wir sind eine sehr lustige Truppe die diesen definitiv immer mitbringt. Das nimmt den Meisten auch die Angst und es gibt weniger Berührungsängste mit Fremden die nachts durch ihr Haus schleichen.

Kendra:
Wie lange bist du schon in diesem Metier ? Und für wie lange möchtest du noch weiterhin auf die Jagd gehen?
Wir gesagt intensiv und organisiert seit 2005. Das Ende ist offen. Solange ich das Gefühl habe das man uns braucht und wir helfen können, solange werden wir weitermachen.

Kendra:
Hand aufs Herz: Hast du es denn jemals bereut ein Ghosthunter zu sein?

Niemals. Was ich hierbei in allen Bereichen gelernt habe ist für mich unbezahlbar. Was man durch die Thematik über Physik, Psychologie und die Welt an sich und ihre Bewohner lernt nimmt man mit. Es verändert einen sehr zum Positiven wenn man sich richtig und ernsthaft damit beschäftigt.

Kendra:
Auf Eurer Webseite habe ich gelesen, dass ihr auch eine Anlaufstelle seit, falls jemand meint Opfer von übernatürlichen Phänomenen zu sein. Mal ehrlich, in welchem Umfang tauchen hier tatsächlich Anfragen auf? Gibt es auch einige von ihnen, die sich damit einen Spaß erlauben und euch grundlos einfach mal hinaus schicken? Und wie sieht es bei denen Menschen aus, die z.B: tatsächlich einen unliebsamen Mitbewohner in Form eines Poltergeistes haben....könnt ihr ihnen immer helfen?

Wir haben jedes Jahr im Durchschnitt 150 Anfragen. Erstaunlicherweise müssen wir lediglich bei ein bis zwei Prozent wirklich anrücken. Spaßanfragen sind erstaunlicherweise sehr gering. Das liegt vielleicht auch daran das man uns nicht einfach so hinaus schicken kann. Wenn jemand etwas irgendwo erlebt hat, ist er bei der Untersuchung mit vor Ort bzw. mindestens bei der Vorbegehung. Das muss er ja. Er muss uns ja zeigen wo er was genau erlebt hat. Auch wäre eine schriftliche Spaßanfrage bei den vielen Fragen die wir stellen eher mit Arbeit als mit Spaß verbunden. Hier würden wohl die meisten bereits aufgeben.

Gerade Poltergeister sind ein Stichwort. Hier ist es wahrscheinlicher, dass der Spuk nicht durch einen Geist sondern durch ein seelisches Ungleichgewicht eines Menschen ausgelöst wird. Die Hypothese stammt aus dem Bereich der Parapsychologie und eine Koryphäe auf dem Gebiet wäre
Dr. rer. nat. Dr. phil. Walter von Lucadou. Wer dazu mehr erfahren will sollte unsere Webseite www.ghosthuntergermany.de besuchen. Und ja, den meisten Menschen können wir helfen mit dem Wissen das es sich höchstwahrscheinlich nicht um Geister handelt. Hier müsste ich allerdings so weit ausschweifen das es den Rahmen des Interviews definitiv sprengen würde.

Kendra:
Welche Grundeigenschaften muss ein Geisterjäger idealerweise haben, um sich den dunklen Wesen stellen zu können? Gibt es hierfür eigentlich eine Ausbildung? (evtl hat ja jemand von den Leser Lust darauf bekommen, diesen Weg in Zukunft zu beschreiten?) 


Eine Ausbildung in dem Sinne gibt es nicht. Allerdings lernt man nie aus wenn man diesen Weg beschreitet. Man braucht dazu Skepsis, Neugier, Aufgeschlossenheit, Forscherdrang, Bodenständigkeit, Einfühlungsvermögen, eine stabile Psyche und vor allem gesunden Menschenverstand. Mit diesen Eigenschaften stellt man sich dann keinen dunklen Wesen sondern wird eher zum Detektiv in Fällen die eine Menge Rätsel beinhalten die es zu lösen gilt.

Kendra:
Passend zum Thema meines Blogs: Das Buch „ Wo du auch bist“ von Kerstin Bätz handelt von den Beelitz-Heilstätten.
Hier soll es ja bekanntlich spuken......hast du hierzu persönlich schon eine Erfahrung gemacht , bzw etwas Merkwürdiges erlebt?


Unser Teammitglied Sabrina, gebürtige Berlinerin, war bereits 2005 aufgrund eines Artikels in der B.Z. in den Beelitzer Heilstätten auf Untersuchung bevor der Hype um dieses Sanatorium begann. Und das Fazit ist leider sehr ernüchternd. Es handelt sich nur um eine große Ansammlung von Geschichten, Fehlinterpretationen und urbanen Legenden. Ein solches Gelände ist dafür allerdings wie gemacht. Alleine die Atmosphäre schreit danach als Spukhaus in Verruf zu geraten. An diesen Geschichten ist allerdings überhaupt nichts dran. Diese sorgten lediglich dafür, dass Horden von Neugierigen nachts das Gelände stürmten das der Besitzer dafür eigens einen Wachdienst engagieren musste. So gerne manche dort aus den verschiedensten Gründen gerne Geister und Spuk hätten, den gibt es dort nicht.

Kendra:
Und zum Schluss würde mich noch brennend interessieren: Was ist dein Lieblingshorrorbuch! :-)

Stephen King – Im Morgengrauen. Besonders die Kurzgeschichte der Nebel darin.
Wer allerdings ein richtig gutes Buch zur Thematik Spuk lesen will sollte dieses hier in Angriff nehmen:

Geister sind auch nur Menschen


Danke dir, Timo für deine Antworten und für die Zeit die du dir für meine Fragen genommen hast.


Kendra:
Möchtest du den Lesern noch etwas sagen? Evtl ihnen einen Rat mit auf den Weg geben?
 

Behaltet euren gesunden Menschenverstand und Bodenständigkeit bei wenn ihr euch mit diesem Thema beschäftigt. Lasst euch nicht beeindrucken und euch aufs Glatteis führen. Es ist nicht alles Geist was spukt.



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